BIOFIT fördert die Einführung von RetroFitting in fünf Industriesektoren der Bioenergie in Europa.

Dr. Edgar Ahn

 

Interview

mit Dr. Edgar Ahn über RetroFit Projekte im Zuge des EU-geförderten BIOFIT-Projekts:

 

Wir als BDI-BioEnergy International sind Mitglied des EU-geförderten Projekts BIOFIT. Dabei geht es darum, Anlagen in nachhaltigen Energiesektoren zu RetroFitten. Herr Dr. Ahn, können Sie bitte erklären, was wir unter diesem Begriff verstehen dürfen?

Im Anlagen bauversteht man unter dem Begriff RetroFitting, bestehende verfahrenstechnische Anlagen durch Umbau oder Nachrüstung zu modernisieren bzw. zu verbessern. Dies geschieht meist zu dem Zweck, die Produktionsanlagen auf den neuesten Stand der Technik umzubauen, Schwachstellen (sogenannte „Bottlenecks“) zu finden und zu beheben und damit die Produktionsleistung bzw. -effizienz zu erhöhen und/oder die Produktqualitäten zu verbessern. In letzter Zeit gewinnen Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit, der Umweltfreundlichkeit und der GHG-Einsparung im Bereich RetroFitting zunehmend an Bedeutung.

 

Warum ist RetroFitting wichtig? Aus welcher Notwendigkeit ist das EU-Projekt BIOFIT entstanden?

Ein Grund für RetroFitting ist zumeist verminderte Konkurrenzfähigkeit. Sei es, weil die Produktionstechnik nicht mehr dem Stand der Technik – z.B. hinsichtlich Umweltanforderungen oder Produktionseffizienz – entspricht und der Betreiber Gefahr läuft, seine Marktposition zu schwächen. Oft lösen auch geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen – z.B. im Umweltschutz – RetroFitting-Aktivitäten aus.

Das EU-geförderte Projekt BIOFIT verfolgt nun das spezielle Ziel, die Einführung einer Bioenergie-Nachrüstung in fünf ausgesuchten Industriesektoren zu erleichtern. Die fünf Industriesektoren sind:

  • Biokraftstoffe der ersten Generation
  • Zellstoff und Papier
  • fossile Raffinerien
  • fossile Feuerungsanlagen und
  • Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

Anhand von Fallstudien für die Nachrüstung mit Bioenergie sollen in diesen Sektoren positive Beispiel kreiert werden, die als Leuchtturmprojekte in den jeweiligen Sektoren zur Nachahmung anregen sollen.

In enger Zusammenarbeit mit Interessensgruppen und Marktbeteiligten sollen Rahmenbedingungen (rechtliche, institutionelle und politische) für RetroFitting bewertet werden, um grundsätzliche und branchenspezifische Barrieren und Hemmnisse zu identifizieren. Darauf aufbauend sollen politische Entscheidungsträger auf nationaler und regionaler Ebene beraten werden, um als Input für eine besser informierte Politik, Marktunterstützung und finanzielle Rahmenbedingungen zu dienen.

 

Können Sie bitte beschreiben, wie so ein typisches RetroFitting-Projekt abläuft?

Ein RetroFitting-Projekt sollte immer mit einer gründlichen Evaluierung des technischen Ist-Zustandes beginnen. Hier werden Schwachstellen ermittelt, Ziele definiert und mögliche Lösungskonzepte entwickelt. Neben einer technischen Evaluierung ist auch immer eine wirtschaftliche Profitabilitätsanalyse der geplanten RetroFitting-Maßnahme durchzuführen. Das RetroFitting-Projekt ist dann nach einem strengen, optimierten Projektplan abzuwickeln, der oft außergewöhnliche Rahmenbedingungen berücksichtigen muss, z.B. möglichst geringe Stillstandszeiten der bestehenden Produktionsanlage, maximale Verwendung von bestehender Infrastruktur, enges Finanzkorsett.

 

Welche Hürden gibt es bei der Modernisierung von Anlagen für Unternehmen, und wo können die Betreiber solcher Anlagen Unterstützung bekommen?

Die Schwierigkeit für Unternehmen, die eine Modernisierung ihrer Anlage ins Auge fassen, liegt darin, den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. Solange alles einigermaßen gut läuft, wehrt man sich oft gegen Veränderung. Übersieht man aber den Zeitpunkt, kann sehr schnell eine Spirale nach unten ausgelöst werden, die ein RetroFitting verunmöglichen kann.

Für ein maßgeschneidertes RetroFitting ist ein tiefes Verständnis der zu modernisierenden Technologie Voraussetzung. Daher ist es wichtig, auf in der Branche anerkannte Experten zu setzen. One-Stop-Shop-Anlagenbaufirmen, die die gesamte Wertschöpfungskette eines RetroFitting-Projekts – von der Erstevaluierung über das Engineering bis zum professionellen Industrieanlagenbau – abdecken können, sind zu bevorzugen.

 

Sie sind bei BIOFIT in einer Beraterrolle tätig. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen? Welche Expertise haben Sie in diesem Bereich?

Ich bin als ausgebildeter Verfahrenstechniker seit über 20 Jahren im Industrieanlagenbau mit Schwerpunkt Produktion von Biotreibstoffen für die Österreichische Spezial-Anlagenbaufirma BDI-BioEnergy International tätig. Ich habe bei BDI jahrzehntelang die F&E aufgebaut und geleitet sowie zahlreiche Anlagenbauprojekte technisch unterstützt. BDI verfügt über 60 Referenzprojekte im Bereich des industriellen Anlagenbaus. Seit mehr als zehn Jahren gehört auch das RetroFitting von – zumeist von der Konkurrenz gebauten – Biodieselanlagen der ersten Generation zu unseren Aktivitäten. Bislang hat BDI erfolgreich 27 Biodieselanlagen modernisiert.

Ich fühlte mich sehr geehrt, als mich das Konsortium des BIOFIT-Projektes gebeten hat, das Projekt als Industrial Advisor zu unterstützen.

 

Was würden Sie Unternehmen raten, die ihre Anlagen RetroFitten möchten? Was sind die Vorteile, die aus dem RetroFitting resultieren?

Mein Ratschlag wäre, nicht so lange mit einem RetroFitting-Projekt zu warten bis es zu spät ist. Alle von BDI begleiteten RetroFitting-Projekte haben die Geschäftsmodelle unserer Kunden positiv beeinflusst, und oft das Überleben der Firma langfristig gesichert.

 

Wie sehen Sie die Zukunft von RetroFitting?

Gerade im Bereich der Umstellung auf Bioenergie sehe ich eine große Zukunft, nicht nur in den fünf Industriesektoren, die im BIOFIT-Projekt abgebildet sind. Die für den Klimaschutz notwendige Dekarbonisierung kann in vielen Fällen in einem ersten Schritt durch Umstellung von fossilen Energieträgern auf nachhaltige Bioenergie schnell begonnen werden.

 

Gibt es noch etwas, das Sie Unternehmen, die RetroFitting in Betracht ziehen, mit auf den Weg geben möchten?

Nehmen Sie sich die Zeit, und vergleichen Sie die angebotenen RetroFitting-Lösungen. Billig ist nicht immer besser – RetroFitting bedeutet, eine maßgeschneiderte Lösung für eine spezielle Kundensituation zu erhalten. Wenn wir etwas bei BDI über die vielen Jahre, in denen wir RetroFitting-Projekte erfolgreich durchgeführt haben, gelernt haben, dann das: dass jedes RetroFit-Projekt einzigartig ist.

 

Danke für das Gespräch!

 

 

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